New Work

„Denn diejenigen, die verrückt genug sind zu denken, dass sie die Welt verändern könnten, sind diejenigen, die es tun.”

(Steve Jobs)

Frithjof Bergmann ist  der Begründer des Konzeptes „New Work“. In seinem Buch „Neue Arbeit, neue Kultur“ beschreibt er, wie eine neue Arbeitswelt aussehen kann. In diesem Text fasse ich die wichtigsten Gedanken zusammen.

Arbeit als “milde Krankheit”

Nach Frithjof Bergmann erleben viele Menschen ihre Arbeit als eine „milde Krankheit“ – oder noch schlimmer –  als eine verkrüppelnde Krankheit. Arbeit, so sagt er, kann verunstalten oder sogar umbringen.  Er behauptet, dass die Arbeit uns in der Vergangenheit verunstaltet hat und zwar, weil die zu erledigende Aufgabe in vielen Fällen das Ziel und der Zweck der Arbeit war. „Der Mensch wurde von anderen, aber auch von sich selbst als Werkzeug benutzt, als Mittel zur Verwirklichung dieses Zwecks. Wir, die menschlichen Wesen, unterwarfen uns diesem.“ Frithjof Bergmann plädiert für eine Reduzierung der Abhängigkeit von der Lohnarbeit und spricht von einem „Ausbrechen aus der Knechtschaft“  und zwar mit Hilfe des Konzeptes der neuen Arbeit.

Die „Neue Arbeit“ ist eine Bemühung den aktuellen Zustand umzukehren. „Nicht wir sollten der Arbeit dienen, sondern die Arbeit sollte uns dienen“ sagt er. Sie sollte ferner nicht alle Kräfte aufzehren, sondern uns Energie verleiten uns in der Entwicklung unterstützen und uns zu lebendigeren und stärkeren Menschen machen. „Das Ziel der neuen Arbeit besteht nicht darin, die Menschen von der Arbeit zu befreien, sondern die Arbeit so zu transformieren, damit sie freie, selbstbestimmte, menschliche Wesen hervorbringt“ sagt der Philosoph in seiner Einleitung. Denn es gibt Arbeit, die „die Fähigkeit besitzt, uns lebendiger zu machen“ uns Energie zu schenken und Lebensfreude.

Kritik am aktuellen Lohnarbeitssystem

Das Lohnarbeitssystem, wie wir es heute kennen ist eigentlich nur etwa 200 Jahre alt. Dennoch ist Arbeit für uns zu einem alles überragenden Wert geworden, sagt Bergmann. Der Job sei die Quelle des sozialen Status und die Stütze unserer Selbstachtung. Das ist besonders schwierig, da unter anderem durch eine fortschreitende Automatisierung immer mehr Arbeitsplätz fehlen. Das führt dazu, dass das Volk der Arbeitssuchenden zu Bittstellern und Bettlern werden.

Laut Bergmann hat uns das Lohnarbeitssystem die Wahnvorstellung eingeimpft, dass es nur eine begrenzte Menge an Arbeit gibt. Aber, seiner Meinung nach ist das Gegenteil der Fall. Er begründet das so: „Es gibt immer Platz für mehr Dichtung, mehr Musik, mehr Tanz, für neue Erfindungen, neue Theorien. (…) Jeder Stuhl und jede Bank und jeder Tisch kann noch verbessert werden, kann (…) stabiler, eleganter oder ansprechender gemacht werden. (…) Alles und jedes [kann] offensichtlich verbessert werden. Das führt dann unmittelbar zu der Erkenntnis, dass das Konzept der Arbeit selbst per definitionem keine Grenzen hat und in Wahrheit (…) unendlich ist. (…) Die endlose Debatte über die sogenannte Knappheit der Arbeit ist deshalb ein kulturelles Konstrukt. Sie ist das Produkt einer wirtschaftlichen Institution, nämlich des Lohnarbeitssystems.“

Arbeitsplätze sind knapp

Wenn also die Arbeit unendlich ist, weshalb sind dann die Arbeitsplätze so knapp? Weil Arbeitsplätze bezahlt werden müssen, so die These Bergmanns. „Zuerst muss jemand wollen, etwas herzustellen. Dann muss er meine Hilfe dazu brauchen und diese Hilfe muss für ihn billiger oder effizienter sein, als die, welche Maschinen für ihn leisten können. Außerdem muss meine Hilfe noch eine Reihe von Vorbedingungen erfüllen, die schließlich sicherstellen, dass er durch meine Hilfe am Ende über mehr Wert oder Bargeld verfügt. Nur wenn diese komplexe Konfiguration zusammenkommt, entsteht die unsichere Realität, die wir „Arbeitsplatz“ nennen.“

Die Essenz der New Work Bewegung

Bergmann kritisiert das vorherrschende Lohnarbeitssystem und fragt sich, ob das System wirklich ein System der Arbeit ist, oder ob es sich bei genauerer Betrachtung vielmehr als ein Instrument zur politischen und sozialen Machtausübung erweist. Er kritisiert ferner, dass das was Menschen täglich in ihrem Berufsleben tun, oftmals jeden Bezug zu ihren wirklichen Fähigkeiten und Talenten verloren hat. Der Grund dafür liegt in der Struktur des Lohnarbeitssystems. „Um es ganz vereinfacht zu sagen: Wenn ich dich anstelle, damit du diese eine sehr präzise definierte Aufgabe für mich erfüllst, dann steht allein dieses Geben und Nehmen im Mittelpunkt.“ Es interessiert dann nicht, „dass du außerdem noch singen oder Gedichte rezitieren kannst“, bemerkt Bergmann. Und er addiert: „Wenn man die Arbeit (…) so strukturieren will, dass das, was die Menschen arbeiten, in echtem Zusammenhang mit ihren natürlichen Neigungen und ihren ausgebildeten Talenten steht, dann müssen die Grundstrukturen des Systems verändert werden. Und das genau ist das Ziel, das die Neue Arbeit sich gesetzt hat.“ Dabei ist die Essenz der neuen Arbeit, dass man selbst die Arbeit bestimmt. Im Kern geht es darum herauszufinden, was die Arbeiter „wirklich, wirklich“ wollen und ihnen dabei zu helfen, das dann auch umzusetzen.

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