„Lesen heißt, durch fremde Hand träumen“
(Fernando Pessoa)
Eines der ersten Bücher, an die ich mich erinnern kann, ist die Sammlung morgenländischer Erzählungen „Tausendundeine Nacht“. Mein Vater hat sie uns oft vor dem Einschlafen vorgelesen. Wir sind dann in die Welten des Sindbad der Seefahrer abgetaucht und haben die spannende Geschichte rund um Scheherazade erfahren.
Später, als ich selber lesen konnte, waren unter anderem Hanni & Nanni, die Zeitschrift „Wendy“ und „Mio, mein Mio“ von Astrid Lindgren meine Begleiter. Ich habe oft meinen Vater im Supermarkt angebettelt, mir das neue „Mickey Mouse“ Heft zu kaufen – und sehr häufig hat er mir eine Zeitschrift gekauft. Als ich in der Grundschule war, versteckte ich mich abends unter meiner Decke, bewaffnet mit einer Taschenlampe und las die verschiedenen Hefte und Bücher.
Dann kam die Jugend – ich las „Sophie’s Welt“ und traf mich oft mit meinen Freundinnen in der „Bibo“ – der Stadtteilbibliothek, die genau neben meiner Schule war. Oft lieh ich mir Bücher aus – kaufen konnte ich mir Bücher nicht von meinem Taschengeld, dafür aber das ein oder andere Magazin. Natürlich las ich auch viele Bücher im Unterricht – Schiller, Goethe, Hesse etcetera. In der Schule war das Lesen aber nie solch ein besonders lustvolles Erlebnis – eher ein Zwang.
Als ich in Bonn jedoch mein Studium begann, fing ich wieder an, mehr zu lesen. Seither lässt mich Literatur nicht mehr los. „Lesen heißt, durch fremde Hand träumen“ – sagte Fernando Pessoa. Dieses Zitat habe ich aus „Im Land der Bücher“ von Quint Buchholz. Gerade lese ich „Warum Lesen – mindestens 24 Gründe“ eine Sammlung von ausgewählten literarischen Texten rund um das Lesen – und natürlich liegen noch zehn andere Bücher auf meinem Tisch, die ich gerade parallel lese. Das ist auch eigentlich die Krux, dass ich so viele Bücher gerne lesen würde und mir meine Zeit gut einteilen muss, um alles zu schaffen.
Eines der Bücher, das ich auch noch lese ist das Buch von Lauren Elkin, es heißt „Flaneuse: Frauen erobern die Stadt – in Paris, New York, Tokio, Venedig und London“. Es passt so gut hierher, denn für mich ist Lesen eigentlich auch wie flanieren. Man flaniert von Geschichte zu Geschichte und lernt immer wieder neue Menschen und Gegenden kennen, gewinnt neue Einsichten und ist hinterher bereichert und beschenkt. Hinter mancher (Bücher)-Ecke lauert aber auch die ein oder andere Gefahr – das heißt dann Spannung, wie im echten Leben eben, wo auch mal das ein oder andere Unglück passiert. Und so ist Lesen auch immer eine kleine Reise, die Dich in neue unbekannte Gefilde trägt.
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